Zucker in Lebensmitteln – gut versteckt

Sich gesund ernähren, den Zuckerkonsum einschränken: ein Vorsatz vieler Verbraucher. Doch vor allem in industriell hergestellten Lebensmitteln lauert die Süße, oftmals gut getarnt und schwer erkennbar. Ob Gerstenmalzextrakt, Dextrose, Glukosesirup oder Süßmolkenpulver: Hätten Sie diese Zutaten auf den ersten Blick als Zucker enttarnt? Über 70 verschiedene Süßmacher haben Verbraucherzentralen ausgemacht – wir helfen Ihnen, einen Überblick zu gewinnen. 

Die Strategien der Lebensmittelhersteller

Zucker verbirgt sich in sehr vielen Produkten – und nicht in nur in den naheliegenden wie Bonbons, Schokolade oder Keksen. So gibt es eine Reihe gesüßter Lebensmittel, in denen Verbraucher normalerweise keinen Zucker erwarten würden: beispielsweise Fleischsalat, Wurst oder Brot. Wer Zucker meiden möchte, sollte die wichtigsten potentiellen Fallen kennen.

Begriffsverwirrungen

Informierte Verbraucher lesen die Zutatenlisten von Lebensmittelverpackungen genau und halten sich dabei an die Faustregel: Je weiter vorne eine Zutat in der Zutatenliste auftaucht, desto größer ist ihr Anteil im Lebensmittel. Doch oftmals erscheint der klassische Haushaltszucker nicht mehr an vorderster Stelle, obwohl das Produkt stark gesüßt ist. Der Trick: Die Lebensmittelhersteller verteilen den Zuckergehalt auf viele verschiedene Zutaten, die für Ungeweihte nicht als Zucker erkennbar sind. Ein Beispiel für diese Strategie ist ein Müsliriegel, der neun verschiedene Süßmacher enthält: Gerstenmalz, Magermilchpulver, Zucker, Glukose-Fruktose-Sirup, Dextrose, Glukosesirup, gezuckerte Kondensmilch, Karamellzuckersirup und Maltodextrin.

Irreführende Werbebotschaften

Versprechen wie „ungesüßt“ oder „ohne Zuckerzusatz“ erzeugen oftmals die Illusion, das Lebensmittel enthalte nur wenig oder keinen Zucker. Das Problem: Der Zuckerzusatz entspricht nicht dem Zuckergehalt des Produkts. Denn auch süßende Bestandteile wie Trockenobst oder Milchpulver liefern von Natur aus Zucker. So taucht in der Zutatenliste eines als „ungesüßt“ bezeichneten Cappuccinopulvers kein Zucker auf – obwohl das Kaffeegetränk süß schmeckt. Gut getarnt lauert der Zucker im Süßmolkenpulver, sodass 100 Gramm des Produkts gut 40 Gramm Zucker enthalten – also alles andere als zuckerfrei sind.

Zucker in pikanten Lebensmitteln

Eine Prise Zucker zur Geschmacksabrundung von würzigen Gerichten: Diesen Küchenkniff nutzen vielleicht auch Sie beim Kochen. Doch würden Sie gut zwei Teelöffel Zucker in 100 Gramm Krautsalat geben? In der industriellen Lebensmittelherstellung ist diese Menge üblich. Gründe hierfür sind, dass Zucker geschmacksverstärkende, bindende und konservierende Eigenschaften hat – und dabei verhältnismäßig günstig ist. Daher verwendet die Lebensmittelindustrie oftmals haushaltsunübliche Mengen von Zucker für Produkte wie Kartoffelsalat, Fischkonserven, Ketchup, Rotkohl aus dem Glas oder Fertiggerichte.

Zuckerhaltige Kinderprodukte

Speziell für Kinder ausgewiesene Lebensmittel verfügen oftmals über einen höheren Zuckergehalt als ihre regulären Pendants. So enthält beispielsweise ein als Kinderprodukt bezeichneter Zwieback gut 34 Prozent Zucker. Normaler Zwieback weist hingegen lediglich 3 bis 10 Prozent Zucker auf. Das Problem: Heranwachsende gewöhnen sich schnell an die Extraportion Zucker und verlernen den Geschmack von natürlichen Lebensmitteln.

So erkennen Sie Zuckerfallen

Beim Einkaufen hilft ein genauer Blick auf die Zutatenliste. Keinesfalls sollten Sie Werbeversprechen oder Aufdrucken auf der Vorderseite des Produkts („ungesüßt“) glauben. 

Folgende Faustregel hilft Ihnen weiter: Alle Bestandteile, die auf „-ose“ enden, sind Zuckerarten. Dazu zählen Saccharose, Glukose, Dextrose, Fruktose, Maltose oder Laktose. Beachten Sie auch natürlich klingende Süßmacher wie Birnendicksaft, Gerstenmalz, Ahornsirup oder Melasse. Je mehr von diesen Begriffen in der Zutatenliste auftauchen, desto zuckerhaltiger ist das Lebensmittel.

Einen realistischen Eindruck über den Zuckeranteil eines Produkts liefert dessen Nährwerttabelle. Diese Kennzeichnung müssen industriell verarbeitete Lebensmittel seit Ende 2013 tragen. In der tabellenartigen Übersicht finden Sie die Zuckermenge des Produkts als Bestandteil der Kohlenhydrate – bezogen auf 100 Gramm Gesamtmenge. Ein Versteckspiel ist hier nicht möglich.

WDR: Achtung Zuckerfalle! Wie Hersteller den Zuckergehalt im Essen verschleiern. Video und Artikel

erstellt am: 26.04.2018