Stress – ein Leben unter Strom

Ein Kalender randvoll mit Terminen, zahlreiche Herausforderungen in der hektischen Arbeitswelt und ein turbulentes Familienleben: Viele Deutsche fühlen sich ständig unter Spannung. Schnell kann sich ein hoher Stresspegel aufbauen, der sich sowohl auf die Psyche als auch auf den Körper niederschlägt. Doch ist Stress immer etwas Negatives? Oder können wir ihn auch als etwas Angenehmes erleben?

Die Wahrnehmung von Stress ist recht individuell: Was für den einen bereits als schwer belastend empfunden wird, erlebt der andere als spannende Herausforderung – wie beispielsweise ein Vortrag vor vielen Zuhörern, eine Achterbahnfahrt oder eine Massenveranstaltung. In der Wissenschaft wird Stress in zwei Kategorien unterteilt: in Disstress und Eustress. Bereits die aus dem Lateinischen stammenden Vorsilben verraten, um welche Art von Stress es sich handelt. „Dis“-Stress wird als belastend und destruktiv erlebt. „Eu“-Stress hingegen führt – ähnlich wie Euphorie – zu positiven, beflügelnden Gefühlen. Interessanterweise ist für diese Unterscheidung weniger das Ausmaß der Stresssituation entscheidend, sondern vielmehr wie der Stress zustande kam und wie wir unsere eigene Handlungsfähigkeit einschätzen.

Stress lass’ nach – Disstress

Als belastend werden Stresssituationen erlebt, die ohne eigenes Zutun entstanden sind – beispielsweise ungerechtfertigter Termindruck, überraschend auftretende Krankheiten oder unvermutete Gefahrensituationen. Aber auch innere Faktoren wie ein großes Bedürfnis nach Anerkennung, ein geringes Selbstwertgefühl und/oder eine perfektionistische Haltung begünstigen diese negative Form des Stresses. Besonders bedrohlich wird Disstress durch das Wissen, dass die zu überwindenden Hürden nahezu unmöglich zu meistern sind.

Entscheidend sind auch Intensität und Zeitdauer des negativen Stresses. Kurzfristige Stressmomente bei einer mündlichen Prüfung können beispielsweise aktivierend wirken und das Denken beschleunigen – ein hilfreicher Adrenalinkick. Bündeln sich die Stressreize jedoch und sind langandauernd, werden sie als belastend empfunden. Unsere Verarbeitungsmechanismen, mit denen wir normalerweise emotionale Belastungen bewältigen, werden überfordert. Über einen längeren Zeitraum andauernder Disstress kann schwerwiegende körperliche und seelische Folgen auslösen wie Herz- und Kreislaufprobleme, Verdauungsschwierigkeiten, Schlaflosigkeit, Verspannungen oder Depressionen. Die permanente Ausschüttung von Stresshormonen setzt den Körper in einen dauerhaften Alarmzustand – die dringend benötigten Entspannungsphasen können nicht mehr erlebt werden.

Die Sonnenseite des Stresses – Eustress

Begeben wir uns freiwillig in eine nervenaufreibende Situation, so bewerten wir diese meistens als positiv und stimulierend – wir empfinden Eustress. Typische Beispiele sind bewusst geplante Lebensveränderungen wie ein neuer Job, ein Umzug oder eine Hochzeit. Doch auch Herausforderungen, die von außen an uns herangetragen werden, können als positiver Stress erlebt werden – beispielsweise eine berufliche Aufgabe unter Zeitdruck, deren Erledigung in uns Begeisterung und Freude weckt.

Eustress löst ähnliche körperliche Symptome aus wie Disstress – beispielsweise Herzklopfen, Kribbeln im Magen und Schlaflosigkeit. Im Unterschied zum Distress werden diese Gefühle jedoch nicht als negativ wahrgenommen, sondern als angenehm erlebt: Wir fühlen uns maximal leistungsstark, aufmerksam, heiter und leicht. Weshalb ist dies so? Ein Blick in die Biologie zeigt, dass der Körper bei Eustress zwar auch die üblichen Stresshormone ausschüttet – doch zusätzlich auch Glückshormone wie Dopamin und Serotonin, die für euphorische Gefühle sorgen.

Ob Eu- oder Disstress – ganz ohne Anspannung funktioniert unser modernes Leben nicht. In einigen Situationen hilft uns sogar der negative Disstress, besonders leistungsfähig zu sein. Wesentlich ist der richtige Umgang mit Stress: Wer seine eigenen Grenzen kennt, diese nicht allzu oft überschreitet und für die nötige Entspannung sorgt, ist bestens gewappnet.

erstellt am: 03.04.2018