Sauer macht nicht lustig – Zahnerosion

Fruchtsäfte, Smoothies, Obst und Salate mit leichtem Essig-Öl-Dressings: Diese Fitmacher sind gesund – aber nicht unbedingt für unsere Zähne. Die darin enthaltenen Säuren greifen bei häufigem Verzehr den schützenden Zahnschmelz an und lösen ihn mit der Zeit auf. In der Medizin wird ein solcher Zahnsubstanzverlust als Erosion bezeichnet. Eine Zahnerosion ist ein schleichender, schmerzfreier Prozess. Und genau das ist tückisch: Die Erosion wird von den Betroffenen oftmals erst bemerkt, wenn die Zähne bereits nachhaltig beschädigt sind. Laut zahnärztlichen Schätzungen leidet etwa ein Drittel der Bevölkerung an Zahnerosionen.

Abbau des gesunden Zahnschmelzes

Gesunde Zähne sind von einer schützenden, millimeterdicken Schicht umgeben: dem Zahnschmelz. Diese Schicht ist in ihrer Beschaffenheit das härteste Material unseres Körpers – sogar noch härter als unsere Knochen. Doch permanenten Säureattacken ist unser Zahnschmelz nicht gewachsen. Konsumieren wir häufig saure Nahrung, wird der Zahnschmelz aufgeweicht und nach und nach aufgelöst.

Neben Säuren aus Nahrungsmitteln können Zahnerosionen auch durch innere Faktoren bedingt werden: wenn Magensäure vermehrt in den Mundraum gelangt wie bei einer Refluxerkrankung (Sodbrennen) oder bei chronischem Erbrechen (vor allem Bulimia nervosa).

Eine Zahnerosion äußert sich durch ein typisches Schädigungsmuster. Am stärksten betroffen sind die Rückseiten der Schneidezähne (Oberkiefer) und die Kaufflächen der Backenzähne (Unterkiefer). Im Laufe der Zeit wird der Zahnschmelz immer transparenter, das darunterliegende gelbliche Dentin schimmert durch. Je weiter die Erosion fortschreitet, desto intensiver bilden sich Risse an den Zahnkanten und Mulden auf den Kauflächen – bis das Dentin an besonders geschädigten Stellen schließlich ganz freiliegt. Die Zähne wirken dann wie abgeschmolzen.

Dentin ist – im Gegensatz zum Zahnschmelz – von feinen Reizkanälchen durchzogen und reagiert daher schmerzempfindlich auf Temperaturreize wie Kaltes oder Heißes. Darüber hinaus ist Dentin von der Substanz her deutlich weicher als Zahnschmelz: Daher wird der Zahn durch weitere Säurezufuhr und mechanische Belastungen wie zu festes Zähneputzen oder Zähneknirschen umso schneller abgetragen.

Zahnerosionen vorbeugen

Zahnerosionen lassen sich nicht mehr rückgängig machen, der verlorene Zahnschmelz kann nicht wieder aufgebaut werden. Daher ist ein präventives Verhalten besonders wichtig.

  • Natürlich brauchen Sie nicht auf Ihre täglichen Vitamine zu verzichten – konsumieren Sie Smoothies, Obst (vor allem Zitrusfrüchte), Früchtetees und essighaltige Lebensmittel dennoch mit Bedacht. Fruchtsäfte verdünnen Sie am besten mit Mineralwasser zu erfrischenden Schorlen.
  • Lesen Sie sich die Zutatenliste Ihrer Lebensmittel durch und achten Sie auf Zitronen-, Apfel, Wein- und Phosphorsäure. Besonders in Süßigkeiten wie sauren Weingummis oder in Erfrischungsgetränken wie Cola, Eistee oder Limonade sind diese Säuerungsmittel enthalten – oftmals gemeinsam mit zahnschädigendem Zucker. Seien Sie auch vorsichtig mit scheinbar gesunden Getränken wie isotonischen Sportdrinks oder Vitamin-C-Brausetabletten: Auch diese weisen einen sauren pH-Wert auf und schädigen Ihre Zähne.
  • Entscheidend ist auch die Einwirkzeit der Säuren: Genießen Sie beispielsweise Ihren Orangensaft besser zum Frühstück, als ihn über den ganzen Tag verteilt zu trinken. Essen Sie lieber eine größere Portion Obst auf einmal, als dauernd Obststücke zu naschen.
  • Trinken oder essen Sie zu sauren Lebensmitteln möglichst Milchprodukte wie Käse, Quark oder Milch. Das darin enthaltene Calcium ist eine Wohltat für Ihre Zähne.
  • Warten Sie nach säurehaltigen Mahlzeiten mindestens eine halbe Stunde mit dem Zähneputzen. Denn: Durch das sofortige Bürsten wird die Säure regelrecht in die Zähne einmassiert – der Zahnschmelz wird extrem beansprucht.
  • Kauen Sie unmittelbar nach dem Essen zuckerfreie Zahnpflegekaugummis – diese regen den Speichelfluss an, der wichtig zur Remineralisierung Ihrer Zähne ist. Prima zum Neutralisieren schädlicher Säuren ist auch, einfach ein Glas Wasser zu trinken.

 

erstellt am: 19.09.2017