Medikamente sicher einnehmen

Mit welchem Getränk nehmen Sie Ihre Tabletten ein? Mit einer gesunden Fruchtschorle? Das kann gefährlich werden – denn vor allem Grapefruitsaft beeinflusst die Wirksamkeit zahlreicher Medikamente und führt zu unerwünschten Wechselwirkungen. Und auch Milch oder Cola sind ungeeignet. Wir haben Ihnen die wichtigsten Informationen rund um eine sichere Tabletteneinahme zusammengestellt.

Die einfachstes Lösung: ein Glas Leitungswasser

Am besten nehmen Sie Ihre Medikamente mit einem vollen Glas Leitungswasser ein – damit sind Sie auf der sicheren Seite. Und trinken Sie bei größeren Tabletten möglichst noch einen Schluck Wasser nach, sodass diese nicht in der Speiseröhre kleben bleiben. Mit dieser großzügigen Wassermenge sind die Medikamente außerdem deutlich verträglicher für den Magen.

Mineralwasser ist im Vergleich zu Leitungswasser übrigens weniger gut geeignet – vor allem, wenn es kalziumreich ist. Denn: Kalzium hemmt die Wirkung von gängigen Antibiotika (beispielsweise Doxycyclin), die zur Behandlung von bakteriellen Infektionen wie Bronchitis, Lungenentzündung oder Harnwegsinfekten verordnet werden. Die Wirkstoffe dieser Antibiotika – die sogenannten Tetracycline – bilden mit dem Kalzium schwerlösliche Verbindungen. Diese Komplexe werden vom Magen-Darm-Trakt schlechter aufgenommen, gelangen nicht in die Blutbahn und können somit nicht ihre heilende Wirkung entfalten.

Milch – zur Tabletteneinnahme nicht empfehlenswert

Milch hat einen hohen Kalziumanteil ist daher – wie kalziumhaltiges Mineralwasser – ein ungeeignetes Getränk zum Schlucken von Tabletten. Auch hier bindet das Kalzium den Wirkstoff Tetracyclin, sodass dieser ungenutzt ausgeschieden wird. Ebenso beeinträchtigen Käse, Joghurt oder Quark die Aufnahme von Tetracyclin – daher sollten Milchprodukte nicht gleichzeitig mit Antibiotika verzehrt werden.

Aufpassen sollten auch Patienten, die an einer Schilddrüsenerkrankung leiden und Medikamente mit dem Wirkstoff Levothyroxin (Handelsname meist L-Thyroxin oder Euthyrox) benötigen – denn auch hier wird die Arzneimittelwirksamkeit durch das Kalzium gehemmt. Halten Sie daher stets einen zeitlichen Abstand von mindestens zwei Stunden zwischen der Einnahme Ihres Schilddrüsenpräparates und dem Verzehr von Milch beziehungsweise Milchprodukten. Das gleiche gilt für die Einnahme von Osteoporose-Medikamenten: auch diese sollten nicht mit Milch kombiniert werden.

Vorsicht: koffeinhaltige Getränke

Ob Kaffee, Cola, Mate-, Schwarz- oder Grüntee: koffeinhaltige Getränke sind zur Tabletteneinnahme nicht empfehlenswert. Einige Arzneimittel können die Wirkung von Koffein erhöhen – die Folgen sind Herzrasen, Schlafstörungen oder Erregungszustände. Andere Medikamente werden wiederum in ihrer Wirkung durch das Koffein beeinträchtigt. Betroffen von dieser Wechselwirkung sind unter anderem Schilddrüsenhormone, Schlafmittel und Schmerzmittel sowie Medikamente, die in der Asthmatherapie eingesetzt werden.

Besonders riskant: Tabletten mit Grapefruitsaft einnehmen

Nehmen Sie niemals Medikamente mit Grapefruitsaft ein. Bestimmte Inhaltsstoffe dieser Zitrusfrucht hemmen den Abbau von Arzneimitteln, die dadurch zu lange im Körper verbleiben. Die Folge: Die Wirkung der eingenommen Medikamente wird um bis zu 70 Prozent verstärkt. Dies kann unter Umständen sogar lebensbedrohliche Reaktionen auslösen.

Besonders aufpassen sollten Patienten, die cholesterinsenkende Tabletten einnehmen: Verzehren Sie Grapefruits, so wird der Wirkstoff des Cholesterinsenkers bereits nach wenigen Tagen so sehr gesteigert, dass er im Körper etwa dreimal höher als geplant vorliegt. Dies kann zu Leberschäden, Zersetzung der Muskulatur und Nierenversagen führen. Risikoreich ist auch der gleichzeitige Konsum von Grapefruitsaft und Herztabletten (mit dem Wirkstoff Nifedipin): Die blutdrucksenkende Wirkung wird deutlich gesteigert. Auch die Kombination von Grapefruit und Schmerzmitteln oder Antiallergika ist gefährlich – hier drohen Herzrhythmusstörungen.

Faustregel: Falls Sie Medikamente verordnet bekommen, verzichten Sie möglichst komplett auf Grapefruits – egal ob als frisches Obst oder als Saft. Auch ein zeitlicher Abstand zur Tabletteneinnahme bringt in diesem Fall nichts. Denn: Die Wirkung des Grapefruit-Effekts hält mindestens 24 Stunden bis zu mehreren Tagen an. Möchten Sie nicht auf Zitrusfrüchte verzichten, greifen Sie stattdessen lieber zu Orangensaft: Hier sind bislang keine Wechselwirkungen bekannt.

Besser nicht: Alkohol

Auch Alkohol und Medikamente sind keine geeigneten Partner – denn durch den Genuss von Bier, Wein und anderen hochprozentigen Getränken wird die Wirkung zahlreicher Tabletten beeinträchtigt. Das im Alkohol enthaltene Ethanol wird – ähnlich wie die meisten Arzneistoffe – über die Leber abgebaut. Vor allem die Kombination von Alkohol und Paracetamol (Schmerzmittel) gilt als gefährlich. Seien Sie auch vorsichtig mit Alkohol, falls Sie blutdrucksenkende Medikamente, Schlafmittel- und Beruhigungsmittel oder Antidepressiva einnehmen: Hier sind ebenfalls unerwünschte Wechselwirkungen möglich.

In der Apotheke und bei Ihrem Arzt nachfragen

Hinweise zur richtigen Tabletteneinnahme finden Sie in den Beipackzetteln Ihrer verordneten Medikamente. Lassen Sie sich auch gerne von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten – insbesondere, wenn Sie viele verschiedene Arzneimittel einnehmen. Und: Setzen Sie niemals ein Medikament auf eigene Faust ab, sondern besprechen Sie Unverträglichkeiten stets mit Ihrem Arzt.

Links

Deutsche Herzstiftung: Broschüre zur Wechselwirkung von Grapefruitsaft mit Medikamenten (PDF)

SWR: Wenn Medikamente plötzlich falsch wirken

BR: So nehmen Sie Tabletten richtig ein

erstellt am: 28.09.2017