Karotten: knackig und gesund

Wer viele Karotten isst, muss später keine Brille tragen: Diese Ernährungsweisheit haben schon unzählige Kinder am Mittagstisch gehört. Im Gegensatz zum Spinat hat der Ruf der Möhre unter diesen Gesundheitsappellen nicht gelitten, denn in Deutschland verspeist jeder circa 8 Kilogramm Karotten pro Jahr. Das macht Karotten zum zweitliebsten Gemüse der Deutschen. Am beliebtesten ist übrigens die Tomate.

Vom Arzneikraut zum weltweiten Gemüseliebling

Als Wildform sind Möhren sehr weit verbreitet, sodass sie bereits vor Jahrhunderten in vielen Regionen der Welt kultiviert wurden. Die botanischen Ursprünge der heute bekanntesten Sorten liegen vermutlich in Kleinasien. Bis weit in die klassische Antike hinein wurden Karotten nicht wegen der Wurzeln, sondern wegen ihrer Blätter und Samen gesammelt oder angebaut. Die Menschen nutzte sie als Gewürz und als Arzneikraut.

Die ersten schriftlichen Zeugnisse, dass auch die Wurzeln verwendet wurden, stammen aus dem 1. Jahrhundert nach Christus – vom hellenistischen Arzt und Pharmakologen Dioskurides. In größerem Umfang angebaut wurden Karotten aber erst ab dem 10. Jahrhundert: In diesem Zeitraum züchtete man im Iran die ersten orangefarbenen und rotvioletten Exemplare. Ab dem 12. Jahrhundert wurden sie auch in Europa kultiviert. Mit der Züchtung von großen, fleischigen, orangefarbenen Sorten sorgten niederländische Gärtner im 16. Jahrhundert für die ungebrochene Popularität der Karotte in Europa.

Gegenwärtig sind in der EU rund 300 Sorten offiziell registriert. Die meisten Sorten, die Konsumenten heute im Supermarkt finden, sind auf einen relativ standardisierten Geschmack gezüchtet: hoher Karotin- und Zuckergehalt, große gleichmäßige Wuchsform und so wenig holziges Herz wie möglich. Karotten, die in Deutschland als Rohware verkauft werden, stammen meist aus Deutschland, aus den Niederlanden, Polen, Frankreich, Italien oder der Türkei.

Wirklich gut für die Augen?

Karotten zeichnen sich durch einen sehr hohen Gehalt an Beta-Carotin aus – auch bekannt als Provitamin A. Es verleiht der Wurzel nicht nur ihre appetitliche Farbe, sondern hat auch eine wichtige Funktion im menschlichen Organismus: Unser Stoffwechsel synthetisiert daraus Retinol. Dies ist eine Form von Vitamin A, das bei einer Vielzahl von Zellprozessen eine wesentliche Rolle spielt – für das Wachstum von Knochenzellen, für Haut- und Schleimhautzellen und bei Wahrnehmungsvorgängen wie Sehen, Hören und Riechen.

Am besten mit etwas Fett verzehren

Vitamin A ist ein fettlösliches Vitamin: Der menschliche Körper braucht Fett, um das Beta-Carotin verwerten zu können. Verspeisen Sie daher Karotten stets mit ein bisschen Fett – beispielsweise in Scheibchen geschnitten und kurz mit Olivenöl angedünstet. Oder geraspelt als Rohkost und frisch gepresst als Saft – verfeinert mit ein paar Spritzer Öl. Soweit möglich, verarbeiten Sie Karotten ungeschält, denn in der Rinde stecken die meisten Inhaltsstoffe. Im Laden erkennen Sie eine gute Qualität daran, dass das Gemüse stabil und fest ist, kaum Verletzungen oder braune Stellen aufweist und über ein schönes kräftiges Blattgrün verfügt.

Karotte, botanisch: Daucus Carota sativa

Botanisch betrachtet ist die Karotte eine zweijährige Gemüsepflanze, die zur Familie der Doldenblütler gehört. Damit ist sie verwandt mit Fenchel, Petersilie und Liebstöckel, aber auch mit dem giftigen Schierling. Etwas vereinfacht dargestellt, besteht die Karotte aus zwei Teilen: aus einer Pfahlwurzel – der Rübe –, in der Reservestoffe für das Wachstum gespeichert werden. Und aus dem krautigen oberirdischen Teil: Er trägt im zweiten Jahr der Pflanze die Blütenstände. Da Karotten im ersten Jahr geerntet werden, ist der Anblick von blühenden Karotten eher selten – außer in der Wildform.

Neben den orangefarbenen Möhren, die heute den Handel dominieren, gibt es auch fast schwarze, lilafarbene, rötliche und fast weiße Sorten. Auch die Rübenform ist durch Zucht beeinflusst worden: Von langen schlanken Fingermöhren bis hin zu kleinen, kugeligen Möhren. Geerntet werden Karotten ab Mai bis in den November hinein.

Wer alte oder weniger bekannte Karottensorten ausprobieren möchte, findet auf Wochenmärkten und im gut sortierten Bio-Gemüsehandel oft Alternativen zur Supermarktware. Auch für den Selbstanbau bieten einige spezialisierte Samenhändler alte und ungewöhnliche Sorten wieder an. Die kleinen, kugelrunden Pariser Möhren können Sie sogar im Blumenkasten zuhause ziehen!

erstellt am: 15.05.2018