Erfunden und entwickelt wurde Pilates von dem Düsseldorfer Joseph H. Pilates, der im Jahr 1926 von Deutschland nach Amerika auswanderte. Zusammen mit seiner Frau eröffnete er in New York in einer alten Fabrikhalle sein erstes Trainingsstudio. So waren amerikanische Tänzer und Schauspieler die Ersten, die in den 1920er Jahren von den neuen Trainingsmethoden des Deutschen profitierten. Dank der Effizienz seiner Methode gehörten aber auch schon bald Leistungssportler zu seinen Kunden.
Heute straffen Millionen Freizeitsportler Ihren Körper mit Pilates und das aus gutem Grund, denn Pilates ist ein sanftes und effizientes Training für Körper und Geist. Es verbindet Elemente aus Yoga, Gymnastik, Physiotherapie und Kampfsportarten. Ziel ist es, alle Muskelpartien des Körpers zu kräftigen, aber auch zu dehnen und zu entspannen – und das alles kombiniert mit der richtigen Atemtechnik. Deswegen erhöht ein regelmäßiges Pilates-Training die Kraft, lockert die Gelenke, fördert die Konzentration und verbessert die Beweglichkeit. Jeder kann Pilates erlernen, egal wie alt oder wie sportlich trainiert er ist, denn jeder bestimmt selbst die Intensität und das Tempo.
Die meisten Pilates-Übungen werden auf einer Bodenmatte ganz ohne Hilfsmittel durchgeführt. Sie brauchen nicht mehr als eine weiche Unterlage und bequeme Kleidung und Socken (keine Sportschuhe). Wer möchte, kann die Übungen später mit Kleingeräten unterstützen: eigens für das Pilates-Training wurden Bälle, Bänder, Rollen und Wippen entwickelt. Sie helfen, Feinmotorik, Koordination und Wahrnehmungsfähigkeit zu verbessern.
Doch Vorsicht: Mit Großgeräten wie „Reformer“ oder „Cadillac“ sollte nur trainiert werden, wenn Sie Ihre Haltungsstabilität bereits sehr gut aufgebaut haben. Joseph Pilates hatte diese Geräte ursprünglich für das Training von Spitzensportlern und für Rehabilitationsmaßnahmen entwickelt. Bei unsachgemäßem Training und zu geringer Erfahrung des Trainers besteht hier ein beträchtliches Fehler- und Verletzungsrisiko.
Die Basis aller Pilates-Übungen ist die Stärkung der Körpermitte, in der Pilates-Sprache auch „Powerhouse“ genannt. Gemeint ist der Bereich um den Bauchnabel: Bauchmuskeln, Beckenboden und untere Rückenmuskeln. Diese Kernmuskeln sind selbst bei sportlich aktiven Menschen oft zu schwach ausgebildet und sollen durch Pilates stabil und stark werden, sodass sie die Wirbelsäule stützen und die inneren Organe entlasten. Von dort ausgehend werden alle Muskeln des Körpers trainiert, besonders die tief liegenden, kleinen Muskelgruppen.
Alle Übungen bestehen aus langsamen, präzisen Bewegungen, nichts geschieht abrupt, auch die einzelnen Übungen fließen ineinander über. Das schont die Gelenke und sorgt für ein geringes Verletzungsrisiko. Die Bewegungen laufen im Rhythmus der Atmung ab. Bei jeder Übung wird bewusst tief ein- und fest ausgeatmet. Beim tiefen Einatmen nehmen Sie viel Sauerstoff auf, das feste Ausatmen aktiviert die tiefe Muskulatur. Das bewusste Atmen hilft auch, sich ganz auf die Bewegungsabläufe zu konzentrieren und die Außenwelt zu vergessen.
Weil bei Pilates alles ganz langsam abläuft, nehmen Sie jede Bewegung und jede Haltungsänderung bewusst wahr. So bekommen Sie nach und nach ein besseres Gefühl für Ihren Körper. Nach ein paar Übungsstunden werden Sie das neue Körpergefühl auch außerhalb des Trainings spüren: Sie gehen und stehen aufrechter. Deswegen lassen haltungsbedingte Verspannungen nach, so beugen Sie Rückenschmerzen vor beziehungsweise lindern sie. Das konzentrierte, präzise Üben der Bewegungsabläufe fördert die Konzentration allgemein, entspannt mental und baut somit Stress ab. Außerdem regt Pilates die Durchblutung und den Stoffwechsel an.
Sobald Sie die Grundübungen beherrschen, können Sie Pilates sehr gut zu Hause trainieren. Es gibt ein großes Angebot an DVDs und Büchern mit Pilates-Übungen. Für den Anfang sollten Sie sich jedoch professionelle Trainingsstunden gönnen. Kurse bieten Pilatesschulen, aber auch Volkshochschulen und Fitnessstudios. Eine Einzelstunde kostet etwa 60,00 Euro, bei Gruppenunterricht um die 10 Euro. Bereits eine Trainingseinheit pro Woche stärkt Körper und Psyche. Durch die gezielte Anleitung vermeiden Sie grundsätzliche Fehler, die dem Körper auf Dauer schaden. Pilates eignet sich gut, um Rückenschmerzen vorzubeugen und Verspannungen im Rücken zu lösen, bei akuten Bandscheibenproblemen ist Pilates nicht zu empfehlen.
Beihilfe und Kassenleistungen sind nur für Aufwendungen im Krankheitsfall möglich. Die Bundesbeihilfeverordnung (BBhV) sieht für Präventionsmaßnahmen, z.B. Muskeltraining, Bewegungstraining und auch Pilates-Kurse, keine Übernahme der Kosten vor. Trotzdem möchten wir es nicht versäumen, Sie über aktuelle Trends im Sportbereich zu informieren.
Bei der Suche nach lizenzierten Trainern hilft die Datenbank des Deutschen Pilates Verbands unter www.pilates-verband.de.
Weiterführende Informationen finden Sie unter www.pilates.de.