Rund vierzig Prozent aller Deutschen leiden im Laufe ihres Lebens an einem Tinnitus. Darunter versteht man eine Hörwahrnehmung, die kein wirklich vorhandenes Geräusch der Umgebung widergibt. Manche werden davon fast verrückt, andere können das Geräusch ignorieren. Das Phänomen selbst ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Komplex an Symptomen. Auslöser können extreme Lärmeinwirkungen, ein Hörsturz, Infektionen, Stoffwechselstörungen oder Missbildungen des Ohres sein. Oft lässt sich die Ursache des Tinnitus aber nicht eindeutig ermitteln. Da Tinnitus ein außerordentlich subjektives Krankheitsbild hat, gibt es bis heute keine Standardtherapien.
Tinnitus äußert sich in einer Vielzahl von Symptomen. Ihnen gemeinsam ist, dass es keine für andere hörbare beziehungsweise objektiv messbare äußere Quelle für das Geräusch gibt. Das Geräusch selbst kann als Brummen, Rauschen, Fiepen oder Klingeln empfunden werden. In manchen Fällen schwillt es an und ab, in anderen bleibt die Lautstärke konstant.
Alter scheint bei der Entwicklung eines Tinnitus eine Rolle zu spielen: Zwischen dem vierzigsten und fünfzigsten Lebens wächst die Zahl der Erkrankungen. In Deutschland leben rund drei Millionen Menschen mit einem Tinnitus. Seit Jahren steigt die Zahl der Leidenden, ohne dass die Ursachen sicher geklärt sind.
Medizinisch wird Tinnitus nach der Dauer der Geräusche eingeteilt: Innerhalb der ersten drei Monate wird der Tinnitus als akut bezeichnet. Hält er bis zu zwölf Monate an gilt er als subakut. Darüber hinaus handelt es sich um einen chronischen Tinnitus.
Ein Tinnitus kann vielfältige Ursachen haben. Beispielsweise kommt es bei siebzig Prozent aller Hörstürze zu einem Tinnitus. Extreme Lautstärkeeinwirkungen, zum Beispiel bei einem Rockkonzert oder durch eine Explosion, lösen meist einen Tinnitus aus. Weitere Ursachen sind Verstopfung des Gehörgangs durch Ohrenschmalz, Entzündungen des Mittel- oder Innenohrs oder Innenohrschwerhörigkeit. Ein Tinnitus kann außerdem durch Bluthochdruck, Arteriosklerose oder Fehlstellungen der Halswirbelsäule verursacht werden. Auch Fehlbildungen der Blut- oder Nervenbahnen im Ohr können einen Tinnitus hervorrufen. Sie sind aber sehr selten.
Häufig ist es aber unmöglich, eine physiologische oder körperliche Ursache des Geräusches zu ermitteln. Erhöhter Stress beziehungsweise der individuelle Umgang damit scheint bei der Entstehung und der Bekämpfung eines Tinnitus eine wichtige Rolle zu spielen. Das zeigt auch die Tatsache, dass viele Menschen mit Tinnitus nicht unter ihrem Ohrgeräusch leiden.
Ob und wie stark man unter einem Tinnitus leidet, unterscheidet sich von Betroffenem zu Betroffenem. Die Mehrzahl der Menschen mit Tinnitus wird in ihrer Lebensqualität kaum oder gar nicht beeinflusst. Für andere stellt das Geräusch im Ohr eine massive Beeinträchtigung dar. Schwere Störungen des Wohlbefindens wie Schlafstörungen, Angstzustände und Depressionen können die Folge sein. Stärke, Intensität und Dauer des Geräuschs sind dabei unerheblich.
Nimmt man Ohrgeräusche war, sollte sofort eine Arzt aufgesucht werden. Bei umgehender Therapie können die Heilungschancen abhängig von der Ursache des Ohrgeräusches bei bis zu siebzig Prozent liegen Je nach vermuteter Ursache setzt der Arzt meist ein durchblutungsförderndes oder ein entzündungshemmendes Mittel ein. Er wird außerdem abklären, ob der Tinnitus nicht Symptom einer weitergehenden Erkrankung oder Stoffwechselstörung ist.
Wird der Tinnitus chronisch, steht die geistig-seelische Bewältigung des Geräusches im Zentrum. Medikamentöse und chirurgische Behandlungsverfahren haben sich bisher als weitgehend erfolglos erwiesen. Der Patient muss lernen, das Geräusch zu überhören. Psychologische oder verhaltenstherapeutische Therapiemaßnahmen haben sich hier bewährt. Selbsthilfegruppen geben praktische Tipps und Unterstützung für das Leben mit dem Geräusch im Ohr.
Bei der Tinnitus-Therapie ist die Einstellung des Patienten ein wichtiger Erfolgsfaktor. Er muss bereit sein auch psychotherapeutisch an sich zu arbeiten. Ziel ist es, den Tinnitus nicht zum Mittelpunkt des ganzen Lebens zu machen. Der Alltag sollte deswegen so ‚normal‘ wie möglich gestaltet, zusätzliche Stressfaktoren dagegen vermieden werden. Durch das Erlernen von bewährten Entspannungstechniken wie Autogenem Training oder Yoga finden viele Betroffene Erleichterung ihrer Beschwerden.