Schlaganfall

Laut Statistischem Bundesamt ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Die Krankheit ist außerdem eine der häufigsten Ursachen von schwerwiegenden Behinderungen. Plötzliche auftretende Lähmungserscheinungen, Sprach- und Sehstörungen sind die bekanntesten Symptome. Liegt ein Verdacht auf Schlaganfall vor, muss sofort der Notdienst alarmiert werden. Je schneller der Patient medizinisch betreut wird, desto besser sind seine Überlebens- und Rehabilitationschancen.

Was passiert während eines Schlaganfalls?

Mit dem Begriff Schlaganfall wird in der Medizin eine Gruppe von Funktionsstörungen des Gehirns bezeichnet, die durch einen plötzlichen Mangel an Sauerstoff hervorgerufen werden.

Am häufigsten ist der sogenannte ischämische Schlaganfall: Aufgrund der Verstopfung wichtiger Blutgefäße im Gehirn wird die Sauerstoffversorgung der betroffenen Regionen abrupt unterbrochen. Hirn- und Nervenzellen sterben rasend schnell ab. Die dort angesiedelten Hirnfunktionen fallen aus. Bei der Hirnblutung dagegen platzt ein Blutgefäß im Gehirngewebe. Auch hier wird die Durchblutung des betroffenen Areals unterbrochen, zusätzlich drückt der entstehende Bluterguss auf weitere Hirnregionen. Bei rund 15 Prozent aller Schlaganfälle handelt es sich um eine Hirnblutung. Deren Ursachen können unterschiedlich sein.

Während bei einem ischämischen Schlaganfall die Sterblichkeitsrate in den ersten drei Monaten bei 15 Prozent liegt, ist sie bei Hirnblutungen deutlich höher. Je nach Größe und Stelle der Blutung versterben bis zu 50 Prozent der Betroffenen in den ersten Monaten nach dem Anfall.

Ursache eines ischämischen Schlaganfalls ist eine Gefäßverengung, ein Gefäßverschluss oder eine Embolie, die durch Blutgerinnsel aus anderen Körperregionen ausgelöst wird. Hirnblutungen werden meist durch langjährigen Bluthochdruck verursacht. Er beeinträchtigt die Elastizität der Adern im Gehirn. Kommt es zu einer Belastungsspitze, zum Beispiel durch große körperliche Anstrengung, platzt die überlastete Ader. Fast 85 Prozent der Schlaganfälle treten deswegen nach dem 65. Lebensjahr auf. Eine Hirnblutung bei jungen Menschen hat oft ein Hirn-Aneurysma als Ursache. Darunter versteht man eine angeborene Fehlbildung, welche zu einer Aussackung der Blutgefäße im Gehirn führt.

Wie erkennt man einen Schlaganfall?

Wichtigstes Symptom eines Schlaganfalls ist die Plötzlichkeit, mit der die Symptome auftreten. Diese selbst sind davon abhängig, welches Hirnareal betroffen ist. Trotzdem gibt es deutliche Anzeichen, mit denen auch Laien einen Schlaganfall erkennen können: Häufig kommt es zu einseitigen Gefühlsstörungen oder einer halbseitigen Lähmung. Besonders auffällig ist hier ein hängender Mundwinkel. Plötzlich auftauchende Sehstörungen bis hin zum kompletten Ausfall eines Gesichtsfeldes oder Doppelsehen sind weitere wichtige Anzeichen. Bei vielen Betroffenen fällt die Wahrnehmung einer Körperhälfte aus oder ist zumindest stark gestört. Auch Schwindelgefühle und Übelkeit können Anzeichen für einen Schlaganfall sein. Unerträgliche Kopfschmerzen können Hinweis auf eine Hirnblutung sein.

Damit Laien einen Schlaganfall besser erkennen können, haben amerikanische Mediziner den sogenannten F-A-S-T-Test entwickelt. Mit einfachen Tests werden die typischen Schlaganfall-Symptome abgefragt:

1. Die betroffene Person soll lächeln. Liegt eine Lähmung vor, wird das Gesicht einseitig verzogen.

2. Die betroffene Person soll beide Arme nach vorne heben, mit den Handflächen nach oben. Eine Lähmung liegt vor, wenn einer der Arme nicht richtig gehoben werden kann oder sich automatisch nach unten dreht.

3. Die betroffene Person soll einen einfachen Satz nachsprechen. Ist die Aussprache undeutlich oder verwaschen, liegt vermutlich eine Schädigung im Gehirn vor.

Zeigt ein Betroffener eines oder mehrere der F-A-S-T-Symptome, muss sofort ein Notarzt alarmiert werden - mit dem Hinweis auf Schlaganfall-Verdacht. Denn beim Schlaganfall bedeutet Geschwindigkeit alles!

Schnelle Behandlung ist wichtig

Wichtigstes Ziel bei der Notfallbehandlung ist es, soviel Hirnareale wie möglich zu retten. Die Unterversorgung des Gehirns muss deswegen schnellstmöglich gestoppt werden. Den Menschen, die bei einem Schlaganfall in der Nähe sind, kommt deswegen eine besondere Bedeutung zu. Wie schnell der Betroffene ärztlich behandelt wird, ist entscheidend für den weiteren Verlauf und die mögliche Rehabilitation. Bei Verdacht auf Schlaganfall muss sofort der Notarzt verständigt werden. In der Zwischenzeit wird der Betroffene mit leicht erhöhtem Kopf-Schulterbereich gelagert.  

Vor allem größere Krankenhäuser verfügen über Abteilungen, die auf die Behandlung von Schlaganfall-Patienten spezialisiert sind. In diesen Abteilungen, sogenannten Stroke Units (auf deutsch Schlaganfall-Abteilung), wird unter anderem eine Notfall-Computertomografie erstellt. Mit ihrer Hilfe lässt sich Art und Umfang des Schlaganfalls feststellen. Je nach Diagnose werden dann die entsprechenden Maßnahmen eingeleitet –von der Stabilisierung der Körperfunktionen bis hin zur Operation.

Fähigkeiten so gut wie möglich erhalten

In der Stroke Unit wird so schnell wie möglich mit der Rehabilitation gestartet. Glücklicherweise verfügt das menschliche Gehirn über eine hohe Anpassungsfähigkeit. Durch Üben und Wiederholen von Bewegungsabläufen können verlorengegangene Funktionen bis zu einem gewissen Grad neu geformt oder ersetzt werden. Dafür arbeiten Neurologen, Krankengymnasten, Sprach- und Bewegungstherapeuten eng zusammen. Heute beginnt man schon sehr früh mit einfachen ersten Maßnahmen. Zum Beispiel wird die gesunde Hand still gestellt, um die kranke Hand zu aktivieren – und damit noch vorhandene Gehirnfunktionen. Ziel der Rehabilitation ist es, den Patienten soweit wie möglich, selbstständige Mobilität zu ermöglichen. Der Erfolg hängt sehr stark von der Schwere des Schlaganfalls ab, aber auch die Kooperation des Betroffenen spielt eine wichtige Rolle.

Für eine erfolgreiche Therapie spielt auch die seelische Verfassung des Betroffenen eine wichtige Rolle. Ein Schlaganfall und seine Folgen sind starke traumatische Erfahrungen. Sie können Betroffenen auch die Motivation und die Energie rauben, sich aktiv und konsequent für die eigene Rehabilitation zu engagieren. Hier sind das Einfühlungsvermögen, die Unterstützung und die Geduld von Angehörigen und Freunden gefragt. Überforderungsgefühle sind in einer solchen Situation völlig normal. Eine bewährte Hilfe in solchen Situationen ist der Kontakt zu anderen Betroffenen.

Weitere Schlaganfälle verhindern

Das Risiko nach einem Schlaganfall erneut einen Anfall zu erleiden ist verhältnismäßig hoch. In den ersten zehn Jahren nach einem Anfall liegt es bei rund 55 Prozent. Neben den schon genannten Rehabilitationsmaßnahmen sollte auf der Vorbeugung eines weiteren Anfalls der Schwerpunkt der medizinischen Behandlung liegen. Dabei gilt es Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen wie Typ 2-Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen zu erkennen und zu behandeln. Zur Prävention gehört meist auch eine Veränderung des Lebensstils: Nikotinkonsum, Übergewicht und Bewegungsmangel sind besondere Risikofaktoren. Wer aufhört zu rauchen, sein Gewicht reduziert und sich vor allem regelmäßig bewegt, kann die Wahrscheinlichkeit, wieder von einem Schlaganfall getroffen zu werden, deutlich reduzieren. In manchen Fällen ist eine Behandlung mit sogenannten Gerinnungshemmern, die die Bildung von Blutgerinnseln verhindern, sinnvoll.

In Deutschland gibt es zahlreiche Selbsthilfegruppen und -organisationen für Schlaganfallpatienten und ihre Angehörigen. Die Deutsche Schlaganfallhilfe biete im Internet eine umfassende Liste.

www.schlaganfall-hilfe.de

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