Unter dem Begriff Diabetes bzw. Zuckerkrankheit verstehen Mediziner eine ganze Gruppe von Stoffwechselfunktionsstörungen, die alle zu erhöhten Blutzuckerwerten führen. In Deutschland leiden rund fünf Millionen Menschen an Diabetes, davon über neunzig Prozent an Typ 2-Diabetes. Rund 250.000 Menschen sind in Deutschland an Typ 1-Diabetes erkrankt. Im Gegensatz zum Typ 1-Diabetes, der angeboren ist, entwickelt sich Typ 2-Diabetes erst im Laufe der Zeit. Er tritt meisten gemeinsam mit Übergewicht, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen auf.
Zuckerkrankheit – das klingt harmlos, fast süß. Tatsächlich sterben auch wenige Menschen direkt an der Krankheit. Ein Typ 2-Diabetes erhöht aber das Risiko, eine Arteriosklerose oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu entwickeln – Krankheiten, die zu Herzinfarkten und Schlaganfall führen können. Im Jahr 2007 starben fast 22.000 Bundesbürger an Folgeerkrankungen des Typ 2-Diabetes.
Der erhöhte Blutzuckerspiegel entsteht, weil die Produktions- und Rezeptionsmechanismen des Körpers für die Verarbeitung von Glucose (Zucker) gestört sind. Das betrifft vor allem das Insulin. Das Hormon ist für den Transport der Glucose aus dem Blut in das Innere der Körperzellen verantwortlich. Glucose ist der "Treibstoff" für die Zellen.
Ein erhöhter Blutzuckerspiegel schädigt die Blutgefäße. Davon sind als erstes sehr kleine Gefäße betroffen. Sie versorgen unter anderem die Netzhaut, die Niere und die Nerven, zum Beispiel die der Beine und Füße. Hier zeigen sich meist auch die ersten schweren Schäden: Sehr bekannt ist der "diabetische Fuß". Hier ist die Schädigung schon so weit fortgeschritten, dass Wunden nicht mehr heilen und ein offenes Bein entsteht.
Folgeerkrankungen von Diabetes sind deswegen häufig Sehstörungen und Missempfindungen wie Taubheit oder Kribbeln in den Füßen und Beinen. Die Sehstörungen, die bis zur Erblindung führen können, entstehen durch die Schädigung der Netzhaut. Das fortschreitende Absterben der Nervenzellen im Fuß und im Bein macht sich als Taubheitsgefühl bemerkbar und kann sich bis zum "diabetischen Fuß" entwickeln. In schweren Fällen müssen Teile des Fußes oder auch der ganze Fuß amputiert werden. In Deutschland sind das im Jahr rund 28.000 Fälle.
Erkrankungen der Niere, des Herzens und der Geschlechtsorgane treten bei Diabetikern regelmäßig auf. Bei Männern gehört die erektile Dysfunktion, auch als Impotenz bekannt, zu den häufigen Folgeerkrankungen eines Diabetes. Diabetiker haben außerdem ein höheres Risiko, von einem Schlaganfall oder Herzinfarkt betroffen zu werden. Denn ein erhöhter Blutzuckerspiegel schädigt langfristig auch die großen Blutgefäße. Auch ein Nierenversarge kann durch eine Diabeteserkrankung ausgelöst werden.
Ein Typ 2-Diabetes ist nicht angeboren, sondern entwickelt sich meist langsam. Auffällige Symptome tauchen erst spät in der Krankheitsentwicklung auf. Für eine schonende, nicht-medikamentöse Behandlung des Diabetes ist es dann oft zu spät. Um Typ 2-Diabetes frühzeitig zu erkennen, sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen besonders wichtig.
Ein erhöhter Blutzuckerspiegel ist das Leitsymptom aller Diabetes-Formen. Dessen Ursache kann aber sehr verschieden sein. Beim Typ 1-Diabetes handelt es sich meistens um eine angeborene Autoimmunerkrankung. Das Immunsystem zerstört in der Bauchspeicheldrüse Stück für Stück die Beta-Zellen, die das Insulin produzieren. Sind zwischen achtzig und neunzig Prozent der Betazellen zerstört, wird die Krankheit akut – meist im Kindes- oder Jugendalter. Der Betroffene nimmt in kurzer Zeit sehr stark ab, leidet unter ständigem Durstgefühl und gleichzeitigem Harndrang. Müdigkeit und Erschöpfungszustände sind weitere verbreitete Symptome. Im schlimmsten Fall fällt der Betroffene in ein lebensbedrohliches diabetisches Koma.
Beim Typ 2-Diabetes ist der Wirkmechanismus des Insulins an der Zelle gestört und damit auch die Aufnahme des Blutzuckers in die Zelle. Es besteht eine Insulinresistenz. Die Bauchspeicheldrüse versucht diesen Mangel durch die verstärkte Produktion von Insulin zu kompensieren. Die Überproduktion lässt sich aber nicht unbegrenzt aufrechterhalten, sodass im Endstadium Insulinmangel auftritt. Als erste Symptomen treten meist Müdigkeit, ständiges Hungergefühl und Gewichtszunahme auf. Da die Symptome unspezifisch sind, wird Typ 2-Diabetes aber oft erst diagnostiziert, wenn die schon genannten schwerwiegenderen Symptome wie Sehstörungen und Missempfindungen in Füßen und Beinen vorliegen.
Typ 2-Diabetes wird immer noch als Alters-Diabetes bezeichnet, da ihre Symptome häufig erst in höherem Alter auftreten. Seit rund zwanzig Jahren steigt die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Typ 2-Diabetes stetig an, so dass diese Bezeichnung immer weniger gerechtfertigt ist. Man könnte den Typ 2-Diabetes eher als Lebensstil-Diabetes bezeichnen. Gilt es doch heute als sicher, dass die Ernährungsgewohnheiten und der Mangel an körperlicher Bewegung eine wichtige Rolle bei der Entstehung spielen. Stark übergewichtige Menschen haben ein deutlich höheres Risiko an Typ 2-Diabetes zu erkranken als Normalgewichtige.
Ein Spezialfall ist der sogenannte Schwangerschaftsdiabetes. Er entwickelt sich erst in der Schwangerschaft und verschwindet meist mit der Geburt des Kindes. Verursacht wird er durch die Umstellungen im Hormonhaushalt der Schwangeren, die zu einer erhöhten Insulinresistenz führen können. In vielen Fällen entwickelt die Betroffene keine Symptome. Rund fünf Prozent aller Schwangeren leiden darunter.
Ein Schwangerschaftsdiabetes stellt ein gewisses Risiko für die gesunde Entwicklung des Fötus dar. Außerdem erhöht sich das Risiko einer Fehlgeburt. Um sicher zu gehen, raten Ärzte deswegen zu einem Blutzuckertest in der 24. Schwangerschaftswoche.
Für den Schwangerschaftsdiabetes gelten ähnliche Risikofaktoren wie für Typ 2-Diabetes: starkes Übergewicht, fett- und zuckerreiche Ernährung sowie Typ 2-Diabetes in der Familie. In den meisten Fällen führen schon eine kurzfristige Ernährungsumstellung und mehr Bewegung zum Verschwinden. In schwierigen Fällen setzt der Arzt Insulin ein.
Diabetes kann bisher nicht geheilt werden. In der Therapie geht es darum, den Blutzuckerspiegel optimal einzustellen – trotz der gestörten Insulinproduktion oder -rezeption. Typ 1-Diabetiker müssen sich deswegen bis an ihr Lebensende Insulin künstlich zuführen. Art und Menge hängt dabei von den individuellen Gegebenheiten ab.
Bei Menschen, die an Typ 2-Diabetes leiden, führen meist schon Ernährungsumstellungen und vermehrte körperliche Aktivitäten zu einer Senkung des Blutzuckerspiegels. Lässt sich der Blutzucker so nicht zufriedenstellend regulieren, setzt der Arzt Medikamente ein, die zum Beispiel die Insulinrezeption der Zellen verbessern. Vor allem bei fortgeschrittenem Diabetes ist die Gabe von Insulin meist unvermeidlich. Die Insulintherapie wird vom behandelnden Arzt auf die individuelle Situation des Patienten abgestimmt. Um zu wirken, muss Insulin gespritzt werden. Damit Komplikationen wie Über-, aber auch Unterzuckerung vermieden werden, sollten insulinpflichtige Diabetiker regelmäßig selbst ihren Blutzuckerspiegel messen. Patienten, die Tabletten einnehmen müssen, sollten in regelmäßigen Abständen ihren Hausarzt aufsuchen. Er kontrolliert die entsprechenden Blutwerte.
Die Diagnose Diabetes verändert das Leben eines Patienten. Aus alltäglichen Verrichtungen wie dem Essen wird ein Problem. Tägliche Bewegung und eine Umstellung der Ernährung gehören zu den wichtigsten Therapieansätzen. Die Insulingabe muss in den Alltag integriert werden. Für den nachhaltigen Erfolg der Behandlung sind die Kooperation und die Motivation des Betroffenen deswegen ausschlaggebend. Ist eine Gewichtsreduktion angesagt, können die ersten Monate einer Diabetes-Therapie sehr frustrierend sein. Die Unterstützung durch Familie und Freunde ist deswegen besonders wichtig. Sie sollten auch für Notfälle geschult sein.
Auf der Internetseite der Deutschen Diabetes Gesellschaft finden Sie weiterführende Informationen.