Darmkrebs

Darmkrebs ist die am zweithäufigsten diagnostizierte Krebsart in Deutschland. Jedes Jahr werden 73.000 neue Fälle erkannt. Während die Zahl der neuen Fälle seit Jahren konstant ist, sinkt die Sterblichkeitsrate. Diese positive Entwicklung führen Experten auf die Verbesserung der Behandlungsmethoden und auf die steigende Bereitschaft der Bevölkerung zurück, an Vorsorgeuntersuchungen teilzunehmen. Neben genetischer Vorbelastung und dem Lebensalter scheint bei der Verbreitung von Darmkrebs auch unser Lebensstil eine Rolle zu spielen.

Wie entsteht Darmkrebs?

Darmkarzinome entwickeln sich häufig aus ursprünglich gutartigen Schleimhautwucherungen. Durch Fehler bei der Zellteilung entsteht ein ungeordnetes Wachstum, das auch die benachbarten Zellen erfassen kann. Nicht alle Wucherungen werden bösartig. Risikofaktoren sind vor allem familiäre Vorbelastung, entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa, Alter und Übergewicht.

Ohne regelmäßige Vorsorgeuntersuchung bleibt Darmkrebs meist lange unentdeckt. Sichtbare Symptome wie Blut im Stuhl, Durchfall oder Stuhldrang ohne Stuhl entwickeln sich erst spät in der Krankheitsgeschichte.

Über 85 Prozent aller Darmkarzinome entwickeln sich im Dickdarm, davon vierzig Prozent im Enddarm. Für die Art der Therapie und deren Erfolg sind das Entwicklungsstadium und die Position des Karzinoms maßgebend. Je früher das Geschwür gefunden wird, desto besser stehen die Chancen, den Darmkrebs komplett heilen zu können.

Wie macht sich Darmkrebs bemerkbar?

Ein Darmkarzinom entwickelt sich lange Zeit, meist ohne sich bemerkbar zu machen. Erst ab einer gewissen Größe oder durch das Übergreifen auf andere Gewebe zeigen sich deutliche Symptome. Am häufigsten sind

  • Blut oder Schleim im Stuhl
  • Verfärbter Stuhl
  • Bleistiftdünner Stuhl
  • Ständiger Wechsel von Verstopfung zu Durchfall
  • Krampfartige Bauchschmerzen
  • Stuhldrang ohne Stuhl
  • Häufige Übelkeit, Völlegefühl und Appetitlosigkeit
  • Rapide Gewichtsabnahme

Treten die genannte Symptome auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Zentral für eine erfolgreiche Behandlung ist die Früherkennung. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind vor allem für Menschen über fünfzig zu empfehlen, denn das Risiko an Darmkrebs zu erkranken steigt mit dem Lebensalter. In Deutschland ist ein Darmkrebspatient bei der Erstdiagnose rund 65 Jahre alt.

Wie wird Darmkrebs festgestellt?

Im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung tastet der Arzt den Enddarm mit dem Finger ab und führt einen Schnelltest auf okkultes, d.h. verborgenes Blut im Stuhl durch. Bei Menschen über 55 wird eine Darmspiegelung durchgeführt. Neuerdings stehen auch bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie zur Verfügung. Jedoch: eine eindeutige Klärung, ob es sich bei dem verdächtigen Untersuchungsergebnis um Darmkrebs handelt, liefert nur die Darmspiegelung.

Die Erwartung einer Darmspiegelung löst bei vielen Menschen Ängste und Befürchtungen aus. Diese Ängste sind verständlich, aber größtenteils unbegründet. Dank besonders kleiner und flexibler Untersuchungsinstrumente ist die Komplikationsrate bei einer Darmspiegelung extrem niedrig. Außerdem erhält der Patient ein starkes Beruhigungsmittel.

Ziel einer Darmspiegelung ist es, das Darminnere sichtbar zu machen. Das geschieht durch die Einführung einer Minikamera, deren Bilder auf einen Monitor übertragen werden. Liegt ein Krebsverdacht vor, entnimmt der Arzt gleichzeitig eine Gewebeprobe. Ist der Gewebewucherung noch sehr klein, wird eine Darmspiegelung auch zu deren Entfernung genutzt.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Die Heilungschancen bei Darmkrebs sind gut, vor allem wenn der Krebs frühzeitig erkannt wird. Wichtigste Behandlungsform ist die Operation. Ihr Ziel ist es, vom Krebs befallenes Gewebe zu entfernen. Je nach Krebsstadium können das wenige Zentimeter oder größere Teil des Dickdarms und des angrenzenden Gewebes sein. Bei größeren Operationen wird außerdem Lymphgewebe entnommen, um Aufschluss über die Metastasenbildung zu bekommen. Je nach Befund schließt sich dann eine Chemotherapie oder in bestimmten Fällen eine Bestrahlung an.

Bei Karzinomen, die sehr groß und in der Nähe des Darmausgangs liegen, wird eine Radiochemotherapie auch vor der Operation durchgeführt. Das Geschwür soll durch die Behandlung verkleinert werden, um die Heilungschancen zu verbessern und möglichst viel Enddarm zu erhalten. Lässt sich der Schließmuskel nicht retten, wird während der Operation ein künstlicher Ausgang gelegt.

Ist der Krebs sehr weit fortgeschritten und hat Metastasen in anderen Organen oder Gewebestrukturen gebildet, wird meist zu einer Chemotherapie geraten. Ob eine Operation durchgeführt werden kann, hängt vom Gesamtzustand des Patienten ab.

Folgen und Komplikationen

Eine Darmkrebsoperation wird meist als offene Bauchoperation durchgeführt. Wie schnell sich der Operierte erholt, hängt von seinem Allgemeinzustand ab - und vom Umfang der Operation. Wie bei jeder größeren Operation können Risiken und Komplikationen wie Wundheilungsstörungen oder Blutungen auftreten. Müssen die Operateure viel Gewebe entfernen, werden auch Nerven, Adern und Lymphgefäße in Mitleidenschaft gezogen. Störungen der Sexual- und Blasenfunktion können die Folge sein. Zur Entlastung des operierten Bereichs wird oft ein zeitweiser künstlicher Ausgang gelegt. Ist die Wunde gut verheilt, kann die ursprüngliche Darmpassage wieder hergestellt werden.  

Für viele Darmkrebspatienten ist der dauerhafte künstliche Ausgang die schwerwiegendste Folge einer Operation. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich Betroffene nach einer Gewöhnungsphase genauso zufrieden über den Erfolg der Operation zeigen, wie Operierte ohne künstlichen Ausgang. Eine gute Einführung in den Umgang mit dem neuen Ausgang ist für die Lebensqualität grundlegend. Bei den meisten auf Darmkrebs spezialisierten Kliniken gehört die entsprechende Beratung zum Rehabilitationsprogramm.

Warum Nachsorge wichtig ist

Auch wenn ein Darmkarzinom erfolgreich entfernt wurde und sich der Patient wieder ‚fit‘ fühlt, sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen sehr wichtig für den Therapieerfolg. Komplikationen und Neubildungen werden frühzeitig erkannt. Menschen, die schon einmal an Darmkrebs litten, haben ein deutlich höheres Risiko erneut zu erkranken. Vor allem in den ersten beiden Jahren nach der Diagnose gehören regelmäßige Nachsorgetermine zum Pflichtprogramm.

Die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe hilft vielen Darmkrebs-Betroffenen ihr Leben mit der Krankheit besser zu meistern. Hier lässt sich in einer geschützten Atmosphäre über Probleme sprechen, die in der Öffentlichkeit weitgehend tabuisiert sind. Der Umgang mit erfahrenen Darmkrebspatienten kann zeigen, dass ein gutes Leben auch mit Krebs oder einem künstlichem Ausgang möglich ist.

Darmkrebs und Ernährung

In den Medien kursieren immer wieder Meldungen über sogenannte Krebsdiäten. Nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen lässt sich keine Krebsart, auch nicht Darmkrebs, durch eine bestimmte Diät beeinflussen. Krebs- und Ernährungsexperten empfehlen Menschen, die an Darmkrebs leiden, genauso wie Gesunden stattdessen eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung. Auch regelmäßige körperliche Bewegung beeinflusst das Wohlbefinden und das Krankheitsrisiko positiv.

Auf der Internetseite der Felix Burda Stiftung finden Sie weiterführende Informationen. 

www.darmkrebs.de

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