Die Elektrokardiografie ist das wichtigste Untersuchungsverfahren, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erkennen. Mit ihr werden die elektrischen Vorgänge im Herzmuskel gemessen und mit dem Elektrokardiogramm, kurz EKG, als Kurve dargestellt. Ohne den Körper des Patienten zu belasten, können so Fehlfunktionen des Herzens erkannt werden.
Bei jedem Herzschlag zieht sich der Herzmuskel zusammen und erschlafft wieder, 70 bis 80 Mal in der Minute. Dabei entsteht ein schwacher Strom mit einer Spannung von ca. 1/1000 Volt. Diese Herzströme sind an der Hautoberfläche spürbar und können mit der Elektrokardiografie gemessen werden. Dafür bringt der Arzt an genau definierten Punkten auf Brust, Armen und Beinen Elektroden an. Diese nehmen die Signale des Herzens ab, verstärken sie und machen sie als Kurve in Form des Elektrokardiogramms sichtbar. Das Elektrokardiogramm zeigt so bei jedem Herzschlag, wie sich die Herzströme in den einzelnen Regionen ausbreiten.
Das EKG wird auf spezielles Grafikpapier mit Millimetereinteilung aufgezeichnet. So sind alle Wellen, Zacken und ihr Abstand zueinander gut erkennbar und damit der Ablauf der Herztätigkeit. Ein gesundes Herz erzeugt eine charakteristische Herzstromkurve, die sich in regelmäßigen Abständen wiederholt. Weicht die Kurve vom typischen Verlauf ab, deutet dies auf eine Herzerkrankung hin. Damit der Arzt das EKG besser analysieren kann, sind die Ausschläge der Kurve mit Buchstaben (P, Q, R, S, T) gekennzeichnet. Wenn zum Beispiel ein zu großer Abstand zwischen der P-Welle und der Q-Zacke besteht, erkennt der Arzt darin eine Herzrhythmusstörung. Bei einem Herzinfarkt bleiben Narben im Herzen zurück – was zu erkennen ist, wenn die R-Zacke ausbleibt oder die Q-Zacke vertieft ist.
Die Elektrokardiografie kann in einer Arztpraxis oder Klinik durchgeführt werden. Die Ruhe-Elektrokardiografie, also die „normale“ Elektrokardiografie, findet im Liegen oder Sitzen statt. Es werden zehn Elektroden angebracht, jeweils eine an jedem Arm und Bein, sowie sechs weitere auf der Brust. Um den Kontakt zwischen Elektroden und Haut zu verbessern, wird ein Gel auf die Elektroden aufgetragen. Die Untersuchung ist einfach und schmerzfrei und dauert in der Regel nur wenige Minuten. Sie greift nicht in den Körper ein und verursacht daher keinerlei Beschwerden.
Die Elektrokardiografie wird bei Routineuntersuchungen eingesetzt oder gezielt, wenn der Arzt eine Erkrankung vermutet. Neben Herzerkrankungen wie einer Herzrhythmusstörung, einem Herzinfarkt, einer Muskelverdickung des Herzens oder einer koronaren Herzkrankheit, können mit einem EKG auch Störungen des Mineral- und Salzhaushaltes sowie bestimmte Lungenerkrankungen erkannt werden.
Es ist sinnvoll, wenn der Verdacht besteht, dass Herzrhythmusstörungen nur zeitweise auftreten und so bei einem Ruhe-EKG unentdeckt bleiben. Hier werden die Herzströme in der Regel über einen Zeitraum von 24 Stunden aufgezeichnet. Dafür trägt der Patient ein kleines, batteriebetriebenes Aufnahmegerät während eines normalen Tages mit sich.
Es wird während körperlicher Belastung, wie zum Beispiel auf einem Fahrradergometer, in der Arztpraxis aufgenommen. Die Belastung steigert sich dabei langsam. Währendessen kontrolliert der Arzt auch Blutdruck und Puls. Mit dem Belastungs-EKG können Durchblutungsstörungen entdeckt werden, die nur unter körperlicher Anstrengung auftreten, außerdem dient das Belastungs-EKG dazu, die allgemeine körperliche Belastbarkeit eines Patienten festzustellen.