Pflegestärkungsgesetz II

Zweites Pflegestärkungsgesetz tritt in Kraft

Zum 01. Januar 2017 tritt das Zweite Pflegestärkungsgesetz in Kraft. Es führt zur Verbesserung des Leistungsanspruches in der Pflegepflichtversicherung und zu einer Ausweitung des Kreises der Anspruchsberechtigten. Als Folge sind auch die Beiträge der Pflegepflichtversicherung gestiegen. Sie haben hierzu Ende November 2016 eine Mitteilung erhalten. Im Folgenden haben wir die zentralen Änderungen noch einmal zusammengefasst.

Pflegegrade

Die bisherigen Pflegestufen werden durch fünf neue Pflegegrade ersetzt. Dabei wird niemand, der schon Pflegeversicherungsleistungen erhält, schlechter gestellt. Die Umstellung erfolgt automatisch, es muss kein neuer Antrag gestellt werden. Eine Begutachtung findet nicht statt.

Pflegebedürftigkeit und Begutachtung

Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II) wird ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt. Dieser erfasst zukünftig auch die individuellen Beeinträchtigungen und Fähigkeiten der Pflegebedürftigen besser – denn um die Pflegebedürftigkeit zu beurteilen,  wird bei der Begutachtung der Grad der Selbstständigkeit in sechs Lebensbereichen eingeschätzt. Es geht  also um das Ausmaß, in dem die pflegebedürftige Person sich noch selbst, ohne fremde Hilfe versorgen kann.

Folgende sechs Lebensbereiche werden berücksichtigt:

  • Mobilität
  • kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • Selbstversorgung
  • Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Mit dem neuen Begutachtungsinstrument ist ein umfassender und fundierter Begutachtungsansatz geschaffen worden. In zwei Erprobungsstudien wurde das neue Verfahren bereits erfolgreich getestet. Das Ergebnis ist die Einführung von fünf Pflegegraden, die die bisherigen drei Pflegestufen ersetzen. Minutenwerte für die Pflege spielen für die Einstufung zukünftig keine Rolle mehr.
Pflegebedürftigkeit bezog sich bisher vor allem auf körperliche Beeinträchtigung und wurde deshalb pflegebedürftigen Menschen mit kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen nur zum Teil gerecht. Das betraf insbesondere viele Menschen mit Demenz. Denn demenzkranke Menschen sind häufig körperlich kaum eingeschränkt und können dennoch ihren Alltag nicht selbständig bewältigen. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff nimmt den Menschen in seiner Lebenswelt in den Blick und berücksichtigt alle relevanten Beeinträchtigungen. Vieles von dem, was von Angehörigen immer schon als „Pflege“ empfunden wurde und bislang nicht berücksichtigungsfähig war, wird nun einbezogen:  Körperliche, kognitive und psychische Beeinträchtigungen werden bei der Einstufung gleichermaßen beachtet.

Pflegegrade und Pflegeleistungen

Vom neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff profitieren alle Pflegebedürftigen. Mit den neuen Pflegegraden ergeben sich für die große Mehrheit der Leistungsbezieher deutliche Verbesserungen. Kognitive und psychisch beeinträchtigte Pflegebedürftige werden jetzt bei den Leistungsbeträgen gleichgestellt. Kein Pflegebedürftiger, der zum Zeitpunkt der Umstellung Leistungen bezieht, wird durch die Umstellung schlechter gestellt. Ausschlaggebend für die Höhe der Pflegeleistungen ist allein der neue Pflegegrad.

von Pflegestufenach Pflegegrad

Pflegestufe 0  

Pflegegrad 2

Pflegestufe 1 

Pflegegrad 2

Pflegestufe 1 mit eingeschränkter Alltagskompetenz

Pflegegrad 3

Pflegestufe 2

Pflegegrad 3

Pflegestufe 2 mit eingeschränkter Alltagskompetenz

Pflegegrad 4

Pflegestufe 3

Pflegegrad 4

Pflegestufe 3 mit Härtefall

Pflegegrad 5

Pflegestufe 3 mit eingeschränkter Alltagskompetenz

Pflegegrad 5

Pflegestufe 3 mit Härtefall und eingeschränkter Alltagskompetenz

Pflegegrad 5

 Die Leistungsstrukturen bleiben erhalten. Änderungen ergeben sich hauptsächlich im Hinblick auf die Höhe der Leistungen aufgrund der neu eingeführten Pflegegrade. Weitere Information finden Sie in unserem Kundenmagazin.

vitamin Ausgabe 73

Was Sie beachten sollten

Mit Inkrafttreten der Neuregelungen zum 1. Januar 2017 können wir in einigen Fällen erstmalig Beiträge zur Rentenversicherung für Ihre Pflegeperson zahlen – vor allem aufgrund der dann gültigen „10-Stunden-Grenze“. Zusätzlich gilt dann die neue Definition der Pflegebedürftigkeit. Diese umfasst nicht mehr nur körperbezogene Pflegemaßnahmen und Hilfen bei der Haushaltsführung, sondern auch pflegerische Betreuungsmaßnahmen. Demnach kann ab 2017 beispielsweise die Begleitung eines Pflegebedürftigen zur Einrichtung der Tages- oder Nachtpflege, zum Friedhof oder zum Gottesdienst ebenfalls für die Pflegestundenzahl berücksichtigt werden. Bisher war das nicht möglich.

Werden Sie von einer Person gepflegt, welche die neuen Voraussetzungen erfüllen könnte und für die wir bislang keine Rentenversicherungsbeiträge zahlen, teilen Sie uns das bitte mit und senden Sie uns den Fragebogen der Renten- und Arbeitslosenversicherung zu, damit wir  die Voraussetzungen konkret überprüfen können. Gern kann die Pflegeperson uns den ausgefüllten Fragebogen auch direkt zusenden.