Nährwertangaben verstehen

Eine Lebensmittelverpackung – jede Menge Informationen: Was sagen Nährwertangaben wie Brennwert, Fett, Kohlenhydrate oder Eiweiß über das Produkt aus? Wir helfen Ihnen, die Angaben zu entschlüsseln.

Rechtliche Vorgaben

Nährwertangaben bieten Verbrauchern präzise Informationen über die Zusammensetzung eines Lebensmittels. Diese Angaben sind für die Hersteller keinesfalls freiwillig, sondern rechtlich verbindlich: Ende 2014 trat eine Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) in Kraft, die einheitliche Standards für alle EU-Staaten definiert.

Folgende Nährwert-Informationen sind demnach für Lebensmittel verpflichtend:

  • Brennwert – oft auch als „Energie“ bezeichnet
  • Fett, inklusive gesättigter Fettsäuren
  • Kohlenhydrate, inklusive Zucker
  • Eiweiß
  • Salz

Die angegebenen Nährwerte beziehen sich dabei auf 100 Gramm beziehungsweise auf 100 Milliliter des Produkts. Somit sind verschiedene Lebensmittel miteinander vergleichbar. Damit die Nährwertangaben für den Verbraucher deutlich erkennbar sind, müssen sie an einer gut sichtbaren Stelle der Verpackung möglichst tabellarisch platziert werden. Verpflichtend ist ferner eine bestimmte Mindest-Schriftgröße.

Nährwertangaben unter der Lupe – Was bedeuten die einzelnen Werte?

  • Brennwert: Unser Körper benötigt Energie, die er aus Nahrungsmitteln gewinnt – aus der „Verbrennung“ der kalorienhaltigen Nährwertstoffe Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß. Der Brennwert eines Lebensmittels fasst diese einzelnen Werte zusammen. Angegeben wird er in Kilokalorien (kcal) und Kilojoule (kJ). Ein Erwachsener benötigt durchschnittlich etwa 2.000 kcal beziehungsweise 8374 kJ.
  • Fett: Fett hat eine sehr hohe Energiedichte: Es liefert mit 9 kcal pro Gramm mehr als doppelt so viel Energie wie Kohlenhydrate oder Eiweiß. Unser Organismus benötigt Fett vor allem zur Aufnahme der lebenswichtigen fettlöslichen Vitamine A, D, E und K. Egal ob aus tierischer oder pflanzlicher Quelle: Fett enthält– je nach Lebensmittel – eine Mischung gesättigter und ungesättigter Fettsäuren. Die Anteile und Art dieser Fettsäuren sind dabei ausschlaggebend für die Eigenschaften des Fettes. In tierischen Produkten ist der Anteil von gesättigten Fettsäuren meist recht hoch – was sich negativ auf den Cholesterinspiegel auswirken kann.
  • Kohlenhydrate: Zucker und Stärke spenden besonders schnell Energie, da sie im Stoffwechsel rasch in das Gehirn und die Muskeln transportiert werden. Stärkehaltige Lebensmittel sind insbesondere Brot, Kartoffeln, Nudeln und Reis. Unter der Nährwertangabe „Zucker“ versteht man die in den Lebensmitteln enthaltenen Einfach- und Zweifachzucker (Mono- und Disaccharide) – wobei es egal ist, ob diese industriell zugesetzt (wie bei Süßigkeiten) oder von Natur aus darin enthalten sind (beispielweise Obst). Pro Gramm haben Kohlenhydrate etwa 4 kcal.
  • Eiweiß: Eiweiß ist ein lebenswichtiger Stoff für unseren Organismus und wird vor allem für das Wachstum, den Muskel- und Zellaufbau benötigt. Eiweiß nehmen wir insbesondere über Fleisch, Fisch, Eier, Milch und Milchprodukte auf. Jedoch gibt es auch pflanzliche Lebensmittel mit recht hohem Eiweißgehalt: beispielsweise Sojabohnen, Hülsenfrüchte oder Kartoffeln. Eiweiß ist gut sättigend und hat pro Gramm etwa 4 kcal.
  • Salz: Salz stellt die Hauptquelle für Natrium dar – ein essentieller Mineralstoff, der unseren Flüssigkeits- und Mineralhaushalt reguliert. Jedoch sollte Salz nur sparsam verwendet werden: Der Bedarf eines gesunden Erwachsenen liegt lediglich bei 2 bis 3 Gramm Kochsalz pro Tag. Ein zu hoher Salzkonsum kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen. Salz liefert übrigens keine Kalorien.

Was ist eine Portion?

Zusätzlich zur verpflichtenden Angabe der Nährwerte pro 100 Gramm beziehungsweise 100 Milliliter findet man auf vielen Lebensmittelverpackungen auch die Umrechnung auf eine Portionsgröße. Die Kalorien pro Portion sind oftmals recht prominent auf der Vorderseite des Produkts gedruckt. Durch diese zusätzliche Angabe werden Lebensmittel noch besser vergleichbar – in der Theorie. In der Praxis ist dieser Wert jedoch oftmals irreführend. So bezieht sich „eine Portion“ beispielsweise bei gängigen Fruchtjoghurts auf den ganzen Becher. Der Konsument braucht somit nichts auszurechnen und hat einen direkten Vergleich. Anders ist dies jedoch bei kalorienreichen Produkten: Hier werden oftmals unrealistisch kleine Portionen angegeben, um die hohen Brennwerte zu kaschieren. Zum Beispiel bei Kartoffelchips: Als eine Portion gelten zumeist 25 Gramm, was lediglich 15 Chips entspricht. Auf tellergroßen Tiefkühlpizzen findet man mitunter eine scheinbar erfreulich niedrige Kalorienangabe – bis man bemerkt, dass hier als „eine Portion“ nicht die gesamte, sondern die halbe Pizza gilt. Daher ist stets der Blick auf die Nährwerte pro 100 Gramm empfehlenswert.

erstellt am: 11.05.2017