Entscheidende Sekunden – Erste Hilfe

Ob Verkehrsunfall, Sturz, Herzinfarkt oder Vergiftung: Etwa 25 Millionen Notfälle ereignen sich jährlich in Deutschland. Im Ernstfall zählt dabei jede Sekunde: Je früher geholfen wird, desto größer sind die Chancen auf Überleben und Genesung – mit möglichst wenigen Folgeschäden. Obwohl Deutschland über ein sehr gut ausgebautes Netz von Rettungsdiensten verfügt, kann im Notfall die Mithilfe von Ersthelfern über Leben und Tod entscheiden. 

Was ist Erste Hilfe?

Egal, ob es sich um einen Unfall oder eine akut auftretende Erkrankung handelt: Unter Erster Hilfe versteht man lebensrettende und gesundheitserhaltende Sofortmaßnahmen – so lange, bis ein Sanitäter oder ein Arzt kommt, um die professionelle medizinische Versorgung zu übernehmen. Zur Ersten Hilfe zählt neben der Betreuung des Verletzten auch der Notruf. Falls nötig sollte auch die Unfallstelle abgesichert werden.

Weshalb zögern viele Menschen im Ernstfall?

Vor allem bei Unfällen in der Öffentlichkeit trauen sich viele der Anwesenden nicht zu helfen. Die Gründe hierfür sind vielschichtig: So haben viele Menschen Angst, bei der Ersten Hilfe etwas falsch zu machen und eher zu schaden als zu helfen. Teilweise werden sogar strafrechtliche Konsequenzen befürchtet, die sich durch eine falsche Ersthilfe ergeben könnten. Andere fühlen sich in einer Unfallsituation überfordert und reagieren mit Ekel oder Panik. Falls mehrere Menschen am Unfallort anwesend sind,  wird ferner oft darauf vertraut, dass ein anderer schon helfen wird.  Die beste Methode gegen Passivität und Berührungsängste: regelmäßig an Erste-Hilfe-Kursen teilnehmen – denn nur durch regelmäßiges Üben ist ein sicheres und routiniertes Verhalten in Notfallsituationen möglich.

Weshalb sind Erste-Hilfe-Kurse ratsam?

Absichern der Unfallstelle, Atemkontrolle, stabile Seitenlage, Stillen von Blutungen, Einsatz eines Defibrillators, Herzdruckmassage: Bereits an einem Tag lassen sich die elementaren Erste-Hilfe-Methoden lernen. Entscheidend ist jedoch, diese Kenntnisse regelmäßig aufzufrischen, sodass man im Notfall souverän und angstfrei handeln kann. Experten empfehlen daher, möglichst alle drei Jahre an einem Erste-Hilfe-Kurs teilzunehmen. Neben allgemeinen Kursen werden auch Spezialschulungen angeboten – beispielsweise zur Ersten Hilfe bei Kindern, Sportlern, Senioren oder Menschen mit Vorerkrankungen. Anbieter dieser Kurse sind Hilfsorganisationen wie Rotes Kreuz, Johanniter, Malteser oder der Arbeiter-Samariter-Bund.

Welche rechtlichen Aspekte gibt es zu beachten?

Viele Menschen befürchten, dass sie als Ersthelfer Fehler machen und in diesem Fall sogar rechtlich belangt werden können. Diese Sorge ist jedoch unbegründet – sofern nicht vorsätzlich oder grob fahrlässig gehandelt wird. Wer also nach bestem Wissen und Gewissen Erste Hilfe leistet, ist auf der sicheren Seite.  Darüber hinaus besteht sogar eine gesetzliche Pflicht zum Helfen in Notfällen: Wer zumutbare Hilfe verweigert, kann sich strafbar machen. Ein Notruf gilt übrigens bereits als Erste-Hilfe-Leistung – wobei oftmals gerade ein beherztes Eingreifen vor Eintreffen des Notarztes lebensrettend ist: wenn beispielsweise stark blutende Wunden mit einem Druckverband gestillt oder blockierte Atemwege befreit werden.
Wer sich durch die Ersthilfe übrigens selbst in Gefahr begeben würde, braucht nicht zu helfen: So ist es beispielsweise für Nichtschwimmer nicht zumutbar, einen Ertrinkenden zu retten. Dennoch ist auch in solchen Situationen eine aktive Hilfe möglich: Indem man andere Anwesende konkret anspricht und um Hilfe bittet – und natürlich unverzüglich den Notruf wählt.

 

 

erstellt am: 03.05.2017